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Auf dem Weg zur nachhaltigen Autowerkstatt

|   Auto-Intern

Das Projekt “Autowerkstatt 4.0” will die Arbeit in den Autowerkstätten mit besserer Sensorik und Digitalisierung revolutionieren. Nun haben sich die zahlreichen Projektpartner erstmals vor Ort in Bochum getroffen, um die Leitplanken in das Projekt einzuziehen.

Autowerkstätten stehen tagtäglich vor einer schier unlösbaren Ausgabe: Moderne Fehlerdiagnosesysteme können über 11.000 genormte Fehlercodes ausgeben, zudem gibt es Millionen ungenormte Fehlercodes bei OBD. “Dadurch entsteht das Problem, dass oft Teile ausgetauscht werden, die gar nicht die ursprüngliche Ursache des Problems sind”, sagt René Glitza, Lead Engineer der AI-Gruppe

Um Werkstätten unter die Arme zu greifen, entwickeln im Projekt “Autowerkstatt 4.0” Forschungsinstitutionen und Partnerunternehmen eine europaweite Plattform für den Datenaustausch von branchenspezifischen KI-Modellen und Fahrzeugdaten. Das Bochumer Projektteam der Auto Intern GmbH baut und entwickelt Messaufnehmer und Analog-Digitalwandler, um die analogen Signale im Motorraum computerlesbar zu machen.

8 Konsortialpartner, 15 Partner und mehr als 5.000 freie Werkstätte

Das Leuchtturmprojekt Autowerkstatt 4.0 ist mit 8 Konsortialpartnern, 15 assoziierten Partnern und mehr als 5.000 freien Werkstätten an den Start gegangen. Die frühzeitige Einbindung eines möglichst großen Interessenkreises sorgt dafür, dass Netzwerkeffekte einsetzen und so der Nutzen der geplanten AW 4.0-Plattform sprunghaft steigen kann. AW4.0 ist Teil des europaweiten Projekts “GAIA-X”, das den Aufbau einer leistungs- und wettbewerbsfähigen, sicheren und vertrauenswürdigen digitalen Dateninfrastruktur auf Basis europäischer Werte und angestrebt, die den höchsten Ansprüchen an digitale Souveränität genügt. 

Das Ziel von AW40 ist es, eine Plattform für den sicheren und vertrauenswürdigen Austausch von branchenspezifischen Daten und KI-Modellen zu schaffen, um die Digitalisierung der mittelständisch geprägten Werkstattbranche voranzutreiben und Werkstätten und Messsystemanbieter über Gaia-X zu einem Innovations- und Wertschöpfungsnetzwerk zu verknüpfen. Als konkrete Anwendung wird im Rahmen des Vorhabens die zielgerichtete Fehlersuche im Motorraum mittels Oszilloskope im KFZ vereinfacht und damit Zeit, Geld und Ressourcen eingespart.

Größtes industriebezogenes Forschungsprojekt der THGA aller Zeiten

Mit dem zweitägigen Treffen an der Technischen Hochschule Georg Agricola (THGA) in Bochum haben sich über 30 Projektteilnehmer nun auf das gemeinsame Ziel eingestimmt: “Endlich konnten wir uns in Persona treffen, um unsere gemeinsame Vision und das Konzept dahinter aufzuarbeiten”, sagt Lead Engineer René Glitza, AW4.0-Projektleiter bei der Auto Intern GmbH.

Bei der Eröffnung in der THGA wurde die Relevanz des gemeinsamen Projektes für die Hochschule hervorgehoben: AW 4.0 ist das größte industriebezogenes Projekt der vergangenen Jahre. Nach der Vorstellungsrunde und den Grußworten ging es in verschiedene Workshops. Neben organisatorischer Planung wie Drittmittelcontrolling oder Marketingkonzepten setzten sich die Entwickler auch mit der konkreten Umsetzung der Digitalisierung auseinander. “Wir haben das ‘Big Picture’ der AW4.0 gezeichnet”, sagt René.  Dafür haben die Workshopteilnehmer die Idee in die kleinsten Teile zerlegt und von unten aufgebaut. 

Oszilloskop-Messung am zweiten Tag

Der zweite Projekttag hatte Oszilloskop-Messungen am Auto als Highlight, berichtet René. Zielgruppe waren hier hauptsächlich die Softwarespezialisten der AW 4.0. “Wir haben festgestellt, dass die Informatiker in ihrem Gebiet Spezialisten sind, aber bis jetzt wenig Kontakt zu KFZ-Themen hatten”, sagt René. Und da sich die THGA intensiv mit Autos und ihrer Fortbewegung beschäftigt, war das ein gelungener Anlass, Grundlagen zu vermitteln: Etwa, wie sich die Batteriespannung verändert, wenn ein Auto angelassen wird und ähnliches. Die Informatiker werden den Analyse-Algorithmus schreiben. Daher ist es wichtig, zu wissen, wo die Daten herkommen, wie diese aussehen und welche Schwierigkeiten bei Messungen auftreten können. “Jeder soll sich vorstellen können, wie der Ablauf im Auto ist”, sagt René Glitza.

Nächstes großes Ziel: Vorstellung auf der Hannover Messe

Während des Konsortiummeetings hat das Team zudem wichtige Meilensteine für das insgesamt dreijährige festgezurrt. Unter anderem soll die Autowerkstatt 4.0 auf der Hannover Messe vorgestellt werden. “Die Messe gehört ohne Zweifel international zu den wichtigsten Industriemessen. Deswegen sind wir stolz, unser Projekt am GAIA-X-Stand präsentieren zu können”, sagt René Glitza. Zudem hofft er, dass die Besucher der Hannover Messe auch im Rahmen eines Vortrags auf das revolutionäre Forschungsprojekt aufmerksam werden. 

Website ist online

Um über den Fortschritt des Projekts “Werkstatt 4.0” zu informieren, ist die Website https://www.autowerkstatt40.org/ online gegangen. Dort finden interessierte alle relevanten Informationen rund um das Projekt, Projektpartner, Fördermittelgeber und mehr. 

Über das Forschungsprojekt

Für das Forschungsprojekt “Autowerkstatt 4.0” haben sich Messsystemanbieter, KI-Start-ups, Unternehmen der Automobilbranche und Forschungsinstitute in einem Konsortium zusammengefunden. Dieses hat sich im Förderwettbewerb „Innovative und praxisnahe Anwendungen und Datenräume im digitalen Ökosystem GAIA-X“ des BMWK erfolgreich durchgesetzt und den Auftrag des Förderprojektes gewonnen. Die LMIS AG betreut das Projekt nun als Konsortialführer. Zusätzlich sind sieben andere Konsortialpartner beteiligt, die verschiedene Aufgaben im Projekt übernehmen: 

  • Vergölst GmbH
  • Hochschule Osnabrück
  • Technische Hochschule Georg Agricola
  • Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH
  • Auto-Intern GmbH
  • DEKRA Digital GmbH 
  • eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. 

GAIA-X-Anbindung von Autowerkstatt 4.0: Ein Use Case mit europäischem Potenzial 

eco – Verband der Internetwirtschaft, die Hochschule Osnabrück und die LMIS bauen als Konsortialpartner die Brücke und Anbindung zum europäischen Datenökosystem GAIA-X, dessen „Federation Services“ gemeinsam mit verschiedenen europäischen Partnern in die Praxis umgesetzt werden sollen. In diesem Rahmen ist Autowerkstatt 4.0 einer der Use Cases, die GAIA-X-konform von der Industrie entwickelt werden. “Wir freuen uns sehr, dass die ‘Autowerkstatt 4.0’ eines der Leuchtturmprojekte des europaweiten Projekts geworden ist”, sagt René Glitza, AW4.0-Projektleiter bei Auto-Intern. Dabei gilt es, verschiedene GAIA-X Prinzipien im Projekt zu berücksichtigen. Die Datenerhebung, -verwendung, -nutzung und -analyse entspricht beispielsweise bestimmten Datenstandards und Werten wie der Interoperabilität und der Interkonnektivität. Dadurch soll die Datenplattform nach dem erfolgreichen Roll-out in Deutschland auch für europäische Autowerkstätten nutzbar sein, so Andreas Weiss auf der Auftaktveranstaltung.

Das Projekt läuft insgesamt drei Jahre und die Konsortialpartner haben sich in dieser Zeit verschiedene Meilensteine gesetzt, wie beispielsweise die Anbindung an GAIA-X, die Schulung der Werkstätten und das Roll-out der KI- & Datenaustauschplattform. Die Partner freuen sich auf die Kooperation mit den Schwesterprojekten und im deutschen GAIA-X Hub.